Mit dem Bike auf Island

vom 31.07.05 - 10.08.05

Ein Erlebnisbericht von Elke Roth

 

Hallo Biker- Freunde,

es ist wahrhaftig nicht einfach, ein so unbeschreibliches Biker- Erlebnis wie Island in Worte zu fassen.

In einem interessanten Buch steht in etwa: Entweder man beginnt Island zu lieben oder zu hassen. Ich habe mich für ersteres entschieden. Trotz aller Unwegsamkeiten, trotz Regen und Sturm, trotz Abenteuer und Angst.

Am 31.07 sind Tanja und ich gen Island gestartet. Wir hatten unsere eigenen Räder dabei- was ich nur jedem wärmstens empfehlen kann. Tanja hatte ihr Trekkingrad (28er) dabei und ich mein „altes Mountain- Bike“. ( Es gibt auch Leute, die Island mit einem Urgestein von 3Gang- Rad durchqueren).

Unsere Ausgangsposition war Reykjavik von der wir am 02.08. Richtung Landesinnere gestartet sind.

Reykjavik muss man nicht unbedingt „mitnehmen“, vorallem wenn man Natur erleben will. Das Fahren durch Rjvk auf einer vierspurigen Autobahn- um überhaupt raus zu kommen- kann sich jeder sparen.

Überhaupt „as far as you can“- der Spruch in Island. Fahr immer so weit wie es geht und dann..ja, dann schaut mal wie´s weiter geht. Island ist nicht fürs Radfahren ausgelegt und wirklich nur was, wenn man diesen Spagat aushalten kann.

Das Durchfurten von Flüssen haben wir nach der Großstadt gleich geübt. Das ist ne Kunst für sich- aber das ist Island, das ist Natur, das ist Abenteuer.

Und da war wirklich auch Natur ohne Ende: Die erste Etappe: Berge, Flüsse, Hügel, Schafe, Island- Pferde, die ersten Regentropfen und Wind- ja der Wind- er kommt wirklich immer von vorn.

Unser erstes Ziel war Mosfellsbear. Von dort aus ging es entlang eines unbeschreiblich schönen Sees auf Schotter und Bergen zur Schlucht Almannagja´. Diese Schlucht sollte man auf alle Fälle durchradelt haben. Du vergisst sie nie mehr. Vor allem, weil sie mit einem unbeschreiblichen Wasserfall endet.

                   

Und das begegnet uns immer wieder- auf Wegen aus Schotter, Lavagestein- überall Wasserfälle, aufgebrochene Erde, Flüsse aus denen man unbedenklich trinken und sich mit Wasser für Tage versorgen kann.

Die Insel aus Wasser und Eis heißt nicht unbegründet so.

Wir radelten wirklich durch karge Landschaften, unendlicher Weite direkt nach Geysir.

Dort dampfen Bäche und kleine Flüsse. Und in kurzen Abständen zeigt sich dann diese Naturgewalt, wenn der Strokkur (ein riesiger Geysir) in die Höhe schießt...

Das ist mit Worten nicht zu beschreiben..und während er in die Höhe schießt, regnet es und die Sonne geht auf, es hat 10* und ein Regenbogen (den man gut 5mal am Tag erlebt) überspannt den Himmel.

                   

Gesegnet, die jetzt Badekleidung haben und am Abend zwischen 21-23 Uhr in einem Hot Pot Entspannung finden...

Den Gullfoss (faszinierender) Wasserfall sollte man auf keinen Fall vergessen- seine Kraft raubt einem die Sinne. Am besten legt man sich irgendwo mit dem Drahtesel auf einen Mooshügel und schweigt bei dessen Anblick.

Neben diesen Naturereignissen ist Island auch durchaus atemberaubend, was die endlosen Weiten angeht. Wer nach dem Gullfoss die Piste nimmt (F338), um an die Küste zurück zu kommen, weiß was ich meine.

Kein Wasser, Strassen, die man so eigentlich nicht nennen kann, Schotter,  Blick auf einen Gletscher und nur Strommasten, die versprechen, das irgendwo, irgendwann die Zivilisation beginnt...Kein Mensch, kein Auto, kein Wasser, kein Tier...Lavagestein, Lavasand...Stunde für Stunde und Du denkst es geht einfach nicht mehr weiter...

Die Schutzhütte im Gebirge ist keine Fatamorgana auch wenn Du kurz davor bist es zu glauben.

Sie ist Wirklichkeit und beherbergt uns für diese Nacht.

 

               

Keine Ahnung wie weit der Weg noch ist, kein Strom, keine Handyverbindung, die Wasserreserven gehen zur Neige, wir zwei..und ab 1 Uhr nachts dann ein tosender Sturm, der uns schweißgebadet auch nicht eine Stunde mehr schlafen ließ.

Selten waren wir so froh über das Ende einer Nacht. Die Tortur ging über endlose Stunden weiter-

Absolute Einsamkeit, kein Wasser... Und irgendwann ein Jeep- zwei Franzosen, die uns mitteilten, dass wir noch über 60 km von der nächsten Stadt entfernt waren..

Irgendwann plötzlich das erste Schaf, ein kleiner Fluss (Wasser..) und ein Sonnenstrahl und Zivilisation...85km bis Borganes wo wir ins teuerste Hotelbett gefallen sind. Wortlos und völlig entkräftet.

Nach so einer Grenzerfahrung denkst Du, dass Du keinen Kilometer mehr freiwillig fährst.

Aber nach einem Großeinkauf sitzt Du wieder auf dem Rad, weiß der Himmel warum.

 

           

 

Und ein paar viele Radkilometer entfernt ist das Zelt aufgestellt und Du läuft durch Birkenhaine zu einem gigantischen Vulkan- stehst auf dem Gipfel und kannst es so wenig fassen wie die Erlebnisse der vorletzten Nacht.

Wenn du Glück hast, lässt sich das Zelt am nächsten Tag zusammenfalten oder auch nicht. Wenn der Sturm so pfeift, das es auch ohne Gestänge vor Dir steht...Auf der Strasse wirst Du auf die Gegenfahrbahn geprescht, dass Du nur mit angezogener Bremse (berauf!!!) fahren kannst.

Solche Wetter bringen Dich nicht wirklich weit....aber finde erstmal eine Unterkunft in dieser endlosen Weite...

Irgendwo an der Küste steht dann ein Farmerhaus...und während Du Stunden später am Strand den tosenden Wellen lauschst- kann es sein, dass ein paar freche Seehunde einen Freudentanz vollführen..

Das ist absolut unbegreiflich- innerhalb von nur wenigen Stunden.

Der Regen hat sich auch nach dieser Nacht nicht verzogen. Und so beginnt der nasseste Tag dieser 14 Tage. 12H Dauerregen- und keine Bleibe. Die einzige, die wir fanden war ne Ruheminute im Zelt, das wir in unserer Verzweiflung in einem wasserbefüllten Graben aufstellten.

Alle Hotels, Gästehäuser entweder „full“ oder nicht mehr geöffnet.

Anastarpi, Hellar- Orte die bei besserem Wetter von jedem Island- Fan besucht werden gehen im Regen und in unserem Frust unter.

Wir entscheiden uns zur Hammertour und fahren an diesem Tag 94 Kilometer- bis Olafsvik, wo die Sonne noch mal aufgeht und ein unbeschreiblicher Regenbogen diese Strapaze belohnt.

Wir sind direkt am Atlantik und unweit des grandiosen Gletschers Snaefellsnesjökull, den wir schon seit Anbeginn der Reise sehen möchten.

Am nächsten Tag machen wir ne Radpause und besteigen einen  Kleinbus- (dann doch lieber mit dem Rad) der Gletscher ist total vernebelt, aber die Rundreise über Anastarpi lohnt sich. Die Felsen sind unbeschreiblich. Wir dürfen noch mal alles ohne Regen sehen, was uns tags zuvor verhindert war. Wer noch Kraft hat sollte am Atlantik die Kraftsteine stemmen- das gehört unbedingt dazu.

   

Abends musste ich dann doch aufs Rad. In der Nähe von Hellisandur gibt es direkt am Strand ein erstaunliches Wal- Knochengerippe, das man sich wirklich ansehen muss.

   

Tags darauf- es ist bereits Donnerstag schwingen wir uns kurz entschlossen auf die Räder und fahren zum Reiterhof „Kverna „ .Kurz ist in Island relativ. Das waren dann 25km stetig bergauf- unglaublich. Wer einem Seelenmenschen (wie sie in Island häufig anzutreffen sind) wie Kristian begegnen will- der mache in seiner Küche Rast. Er ist auf jeden Fall jemand, bei dem Du total zur Ruhe kommst und der weiß, was es bedeutet Island mit dem Rad zu durchqueren. So mächtiger Respekt tut dem Ego wirklich gut.

Dort sind wir also geritten- durch Flüsse und durch unbeschreibliche Natur..

   

Glück, wenn dann noch ein Bus anhält und dich für einen Spottpreis (das ist sehr selten und abhängig vom Busfahrer) 160km samt Rad mit nach Rjvk nimmt. Ich glaube, der hatte es sich zur

Lebensaufgabe gemacht alle einsamen, durchnässten Radfahrer und Wanderer aufzuklauben.

Das war so ein lieber. Er fragte uns nach jedem Stopp ob alles ok ist- „take it easy“ war sein Lieblingsspruch...

   

Mit einer handvoll Hörnchen und einem Lächeln hat er uns dann ziehen lassen.

Auf dem Zeltplatz in Rjvk treffen wir dann jede Menge Biker. Individualisten und richtige Teams. Viele davon haben wir schon zuvor getroffen jeder erzählt seine Story- und von denen gibt es genug.

                  

Den Zeltplatz „bewohnen“ wir zwei Nächte. Machen ein bisschen auf Touri- besuchen eine Whale-watching- Tour ( unbeschreiblich ganz nah an einem Wal vorbei zu kommen und an den lustigen Puffins – Papageientaucher).

Wir durchradeln die Stadt und lassen nichts aus.

Jetzt werden noch die Räder geschrubbt (an Islands Tankstellen wäscht man Autos kostenlos..)bevor wir Richtung Kevlavik unterwegs sind- mit einem Abstecher zur „Blauen Lagune“.

Die Sonne scheint, aber wir sind bei Kilometer 500 einfach wieder in der Zivilisation und das merken wir an der Strasse am meisten. Verkehr ohne Ende und diese unbegreifliche Tiefe und Intensität der Natur ist schon so weit weg.

Die Blaue Lagune ist dann auch wirklich kein Naturereignis, sondern ein künstlich angelegter „Hot Pot“ für Touris.

Das ist es an diesem Abend wirklich nicht.

Ganz in der Nähe vom Atlantik finden wir einen „eingekesselten“ Zeltplatz, der nicht wirklich vor dem starken Wind schützt und betten uns zur Nacht.

Der Schluss ist dann ganz schnell erzählt. Die Blaue Lagune hat Tanja ne riesen Erkältung

hinterlassen (auch wenn es 40*hat, ist die Außentemperatur doch nur 10*). Wir finden in Keflavik auch keine erkältungstaugliche Unterkunft- sondern nur ne Schlafsackunterkunft unweit vom Flughafen.

Ja, Sonntag geht's dann mit Rad und Sack und Pack zum Flughafen- wir sind bei Kilometer 600 und müde, überwältigt, wollen diese unbeschreibliche Insel gar nicht verlassen...

Innerlich feiern wir : Ein Hoch auf die Überschuhe, die Regenhose- und Jacke, ein Hoch auf unsere Fahrräder, die uns unbeschadet über Stock und Stein gefahren haben (unglaublich welche Beziehung man zu seinem Fahrrad entwickelt), ein Hoch auf die Gaskocher, den isländischen Trockenfisch (unbedingt probieren- auch wenn man sich die Zähne ausbeisst),ein Hoch auf all die freundlichen Menschen, die uns mit soviel Respekt umsorgt haben, ein Hoch auf Islands Kekse, die uns den Hunger gestillt haben- auf jedes kleine Cafe´, bei dem wir Foto und Handy aufladen durften-

Wer das alles begreifen will muss sich ins Flugzeug setzen- mit oder ohne Rad, 3 ½ Stunden fliegen und dann erleben...so nah dran und intensiv wie möglich...

Besonders empfehlen wir das Buch: Island per Rad.

Wer noch Detailfragen hat kann sich unter: bluemmle@t-online melden.

So ein Bericht ist natürlich sehr minimalistisch und entspricht nur einem kleinen Teil dieses Abenteuers.

Also dann- wir sehen uns auf Island??